Wie merkt man, dass den Schweizerinnen und Schweizern eine Sache unter den Nägeln brennt? Wenn einem das Thema von den Kioskaushängen entgegen schreit? Wenn es zum Gegenstand von Parteiprogrammen und Wahlversprechen wird? Oder wenn es im Sorgenbarometer ganz oben auftaucht?

Der Klimawandel erfüllte in den vergangen Jahren gleich alle drei dieser Bedingungen, und damit ist Klimaforschung heute zweifellos ein Thema von grosser gesellschaftlicher Relevanz. Nicht zuletzt deshalb verstärkt die Universität Bern ihre traditionell starke Stellung in der Klimaforschung weiter und hat im Jahr 2007 das Oeschger Zentrum für Klimaforschung ins Leben gerufen. Bei dessen Eröffnung erklärte Rektor Prof. Urs Würgler: «Wir investieren in den Ausbau der Klimaforschung, weil wir als Hochschule gesellschaftliche Verantwortung übernehmen wollen. Denn mit der Sorge um den Klimawandel sind auch die Erwartungen an die Klimaforschung gewachsen. Sie soll erklären, weshalb es Klimaveränderungen gibt; sie soll aufzeigen, wie sich die Klimaveränderung auf Gesellschaft, Politik und Wirtschaft auswirkt, und sie soll darlegen, wie die Schweiz am besten mit den Folgen dieses Wandels umgehen kann.»

International haben sich die Berner Klimaforscher vor allem mit der Erforschung der Vergangenheit einen Namen gemacht. Bei der Rekonstruktion der Klimavergangenheit arbeiten die Wissenschaftler unter anderem mit historischen Quellen, vor allem aber stützen sie sich auf so genannte natürliche Klima-Archive wie Baumringe, See-Sedimente, oder Gletschereis. Bei der Auswertung dieser Archive ist die Universität Bern weltweit führend. «Eine unserer Stärken ist», erklärt Heinz Wanner, Professor für Klimatologie, «dass wir all diese Archivdaten miteinander kombinieren. Dadurch gelangen wir zu zeitlich und räumlich hoch aufgelösten Rekonstruktionen. Das Klima in Europa beispielsweise können wir über die letzten 1000 Jahre von Jahreszeit zu Jahreszeit darstellen.»

In winzigen Luftblasen sind im polaren Eis atmosphärische Treibhausgase aus vergangenen Klima-Epochen eingeschlossen.
Bild: zvg
Das Ansehen, das die Berner Klimawissenschaftler in der Forschungsgemeinschaft geniessen, zeigt sich nicht zuletzt an der wichtigen Rolle, welche die Universität in wissenschaftlichen Netzwerken spielt. So ist die Universität Bern das Mutterhaus des Nationalen Forschungsschwerpunkts Klima (NFS Klima), beherbergt das grossangelegte internationale Projekt PAGES (Past Global Changes) und seit neustem auch einen Ableger des Weltklimarats IPCC, dessen Arbeitsgruppe «Wissenschaft» vom Berner Professor für Umweltphysik, Thomas Stocker, geleitet wird.

Kaspar Meuli, Oeschger Zentrum für Klimaforschung
175 Jahre Universität Bern
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